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Das Bauchgefühl als wichtiger Indikator

Vor dem ersten Spiel gab es viele neue Eindrücke und nur wenig Zeit für Klaus Schmidt - das Bauchgefühl soll gegen die Austria helfen.

Seit Dienstag ist Klaus Schmidt der neue Mann an der Seitenlinie des SV BauWelt Koch Mattersburg und der Neo-Coach hatte nur wenig Zeit, sich mit der Mannschaft vertraut zu machen und seine Ideen zu vermitteln. Schließlich wartet schon am Samstag (17.00 Uhr) das erste Pflichtspiel seiner noch jungen SVM-Ära, denn da gastiert unser Team in der neuen Generali Arena beim FK Austria Wien.

Vor dem ersten Bundesliga-Auftritt mit dem SVM nahm sich der Steirer noch ausgiebig Zeit, um sich vorzustellen, seine Ansichten und Ideen zu formulieren und einen Ausblick auf das anstehende erste Spiel unter seiner Leitung zu geben.


Wie hat sich Klaus Schmidt in der noch relativ kurzen Zeit in Mattersburg eingelebt?

„Ich bin hier her gekommen mit den Erfahrungen als Gästecoach und die waren immer einerseits sehr schwierig, nämlich von da etwas mitzunehmen, andererseits waren die Leute hier stets sympathisch. Mir als gegnerischem Trainer ist es immer so vorgekommen, dass das ein feiner Platz zum Arbeiten sein muss. Dass es dann auch geklappt hat ist toll und ich denke, dass mich mein Gefühl der letzten Jahre nicht betrogen hat. Ich habe gemerkt, dass der SV Mattersburg ein Verein ist, wo sehr viele Leute mit Herzblut engagiert sind.

Ich habe zwar über die tolle Akademie hinaus noch nicht allzu viel gesehen, doch alleine hier sind viele Leute involviert, denen der SVM am Herzen liegt und hier wird richtig SVM gelebt. Es gibt nicht viel Schöneres für einen Trainer als an so einen Ort dazu stoßen zu können bzw. dies mittragen zu dürfen und bei einem nicht unwesentlichen Teil des Systems die Hauptverantwortung zu übernehmen. Dieser Umstand gefällt mir extrem und macht mich auch stolz.“

Mit welchen Erwartungen ging es an die Aufgabe heran und wurden diese auch erfüllt?

„Ich war bisher noch nie hier in der Akademie, kannte in Mattersburg eigentlich nur das Pappelstadion. Jeder, den ich kenne und der schon diese tolle Anlage gesehen hatte, schwärmte natürlich davon und meine Eindrücke bzw. Erwartungen aus diesen Gesprächen wurden nun sogar übertroffen. Dieser geregelte Ablauf hier mit dem Nebeneinanderleben verschiedener Fußballer von klein bis groß ist eine Vorzeigegeschichte. Ich fühle mich da sehr wohl und hoffe, dass man das spürt und mich auch die Leute so annehmen, wie ich bin.“

Welches Bild konnte sich der Cheftrainer von seiner neuen Mannschaft machen?

„Ich habe mir einige Spiele natürlich auf Video angesehen, das letzte bei der Admira live im Fernsehen. Es ist vielleicht am Anfang recht trügerisch, weil jeder bei einem neuen Trainer versucht noch einmal 10% mehr zu geben, vielleicht oftmals auch 10% zu hektisch zu sein oder sogar 10% über sein Potenzial hinaus zu arbeiten. Das muss sich alles erst einmal einpendeln.

Ich bin aber gerade dabei, mit allen Spielern Einzelgespräche zu führen, um sie kennen zu lernen und auch zu spüren, welcher Mensch dahinter steckt. Der Eindruck von dieser Seite her hat mich aber schon ein wenig übermannt, weil es einfach großartige Menschen sind. Wir müssen diese Einzelcharaktere nun zu einem Ensemble zusammenführen, wo auch das Werk von Gerald Baumgartner weitergeführt wird.

Ich denke nämlich auch, dass mein Vorgänger in den letzten 21 Monaten viel dazu beigetragen hat, dass sich Mattersburg wieder in der Liga gefangen hat und eine gute Rolle spielt. Vor gut eineinhalb Jahren noch ist man noch mit dem Rücken zur Wand gestanden, nun stecken wir eben in einer kurzen Durststrecke und ich hoffe, wir können die so kurz, wie nur möglich, halten.

Der Eindruck von der Mannschaft ist gut, aber man muss auch klar sagen, dass es für diese Woche, also quasi das Austria-Spiel am Samstag, eine Bauchgeschichte ist. In drei Tagen von den Spielern etwas einzufangen bzw. zu kreieren ist einfach schwierig und das Ganze ist noch dazu schwer einzuordnen. Bis Samstag arbeite ich daher aus dem Bauch heraus, ich hoffe die Spieler können mir und meinem Bauchgefühl folgen, damit am Samstag etwas Positives herauskommen wird. Ab Montag haben wir dann zehn, zwölf Tage Zeit inklusive einem Test gegen Haladas Szombathely, wo sich jeder zeigen kann. Da möchte ich mir dann die definitiven Eindrücke von jedem Einzelnen holen.“

Heißt also, den Fokus nun einmal ausschließlich dem Austria-Gastspiel zu widmen und anschließend erst darüber hinaus?

„Genau, denn man gewinnt immer auch als gegnerischer Trainer Eindrücke von einem jeden Team, so auch von Mattersburg bzw. seinen Spielern, weil du dich ja im Vorfeld und auch während eines Spiels damit beschäftigst. Die belügen dich auch oftmals, weil du dich immer wieder einmal an geniale Momente einzelner Spieler zurück erinnerst und das forderst du dann auch gleich am Samstag von ihnen. An diese Erinnerungen muss man sich nun anhalten, ich versuche nun genau das den Spielern mitzugeben und hoffe, dass das am Samstag auch Wirkung zeigt.“

Hat Klaus Schmidt auch eine explizite Spielphilosophie oder hängt das auch von den Gegebenheiten ab? „Ich versuche immer, die Spieler so einzusetzen, wie ich glaube, dass die am besten miteinander funktionieren. Das ist mein Grundgedanke, ich habe mich im letzten Jahr sicherlich mit gewissen Spielsystemen auseinander gesetzt. Jede meiner Stationen war, egal in welcher Liga, war auch eine Chance mich weiterzuentwickeln und das ist mir meiner Ansicht nach auch gelungen. Wir werden sicherlich das eine oder andere Mal variabel auftreten und genau das möchte ich der Mannschaft auch so vermitteln.“

Der Start im Vorjahr mit Altach war ein 3:0-Heimsieg gegen die Austria, vielleicht ein gutes Omen?

„Das war ein unglaubliches Erlebnis, wir waren zuvor im Europacup mit Altach weitergekommen. Keiner hatte große Erwartungen in dieses Spiel, weil Altach im Frühjahr zuvor nicht wirklich glücklich in Heimspielen agiert hatte. Plötzlich aber führen wir nach zehn oder elf Minuten mit 2:0 und das war sicherlich ein Highlight in meiner Trainerkarriere.

Noch dazu bin ich vor ein paar Wochen mit meiner Familie beim neuen Austria-Schmuckkästchen, der Generali Arena, vorbeigefahren und rätselte noch mit meinen Kindern, ob ich da bald einmal drinnen stehen würde. Nun starte ich genau dort mit dem SVM und es ist eine riesige Vorfreude von mir, aber auch ein großer Respekt vor dieser Aufgabe. Wir fahren da nicht blauäugig hin, sondern mit dem nötigen Respekt und dem Wissen, uns dort alles hart erarbeiten zu müssen, wenn wir etwas mitnehmen wollen.“

Was hat sich im Vergleich zur Vorsaison bei der Austria getan?

„Sie haben versucht das System zu verändern, sind variabler geworden und spielten vorige Woche sogar mit einer Dreierkette. Das ist nicht jenes Bild, das die Austria in der Vorsaison gezeigt hatte. Sie versuchen sich aus meiner Sicht ein wenig dem Gegner anzupassen, bringen Spieler wie etwa Christoph Monschein auch über die Flügel. Der Trainer hat sich in der Vorbereitung sicherlich etwas einfallen lassen und wir werden sehen, was er am Samstag auspackt.“

Die Veilchen können ihren 500. Heimsieg seit Gründung der Bundesliga landen, wie kann der SVM dies verhindern?

„Die Weste ist bisher blütenweiß im neuen Stadion. Aber auch wir werden uns etwas einfallen lassen, um sie überraschen zu können. In erster Linie werden wir versuchen, ihre schnellen und variablen Außenspieler in den Griff zu bekommen. Hinzu kommen im Zentrum mit Alexander Grünwald sowie Uros Matic zwei Spieler mit viel Qualität und denen müssen wir die Grenzen aufzeigen. Vorne gilt es auch den einen oder anderen Überraschungsmoment zu nutzen, vielleicht können wir das schon mit unserer Aufstellungsvariante tun.“

Was darf sich der SVM-Fan vom SVM-Debüt des Klaus Schmidt in der Generali Arena erwarten?

„Wenn man von mir persönlich ausgeht, dann auf jeden Fall einen Trainer, der bis Samstag mit jeder Faser das Gefühl hat, der Mannschaft alles mitgegeben zu haben, was er sich selber in der letzten Woche von der Austria angeeignet hat. Das er alles dafür getan hat, damit man das der Mannschaft auch dementsprechend präsentiert und transportiert. Deswegen bin ich top vorbereitet und glaube auch, dass die Mannschaft gut eingestellt ist.

Das kann man auf alle Fälle sagen, das wird am Samstag so sein, das ist auch meine Rolle dazu. Ab 17.00 Uhr ist man dann als Trainer auch in einer gewissen Weise auch nur Zuschauer, dann sind die Burschen dran bzw. gefordert das Erarbeitete umzusetzen und auch ihre persönlichen Fähigkeiten in das Spiel reinzuwerfen.“


VIELEN DANK für das Ausführliche Interview und alles Gute für das Debüt am Samstag!!




FK Austria Wien - SV Bauwelt Koch Mattersburg
6. Runde der tipico - Bundesliga
Samstag, 01.09.2018, 17.00 Uhr – Generali Arena
Ref: Christopher Jäger
Ass: Roland Riedel, Maximilian Weiß
4O: Alan Kijas

(30.08.2018)zurück >