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Der Herbstrückblick mit Gerald Baumgartner - Teil 2

In den letzten Runden im Herbst gab es viel Grund zur Freude

< Zu Teil eins

Speziell in den letzten Partien wirkte unsere Mannschaft gefestigter oder täuscht da der Eindruck ein wenig?

„Ich denke schon, denn mit dem ersten Sieg bei der Austria konnten wir jene Schwächeperiode hinter uns lassen und haben natürlich viel Selbstvertrauen getankt. Man hat aber auch schon vorher gesehen, dass die Formkurve nach oben gezeigt hat. Eigentlich kannst du dich nur selber belohnen, indem du deine Spiele gewinnst und je mehr Siege du einfährst, desto größer ist das Selbstvertrauen.

Im letzten Auswärtsspiel etwa bei Rapid haben wir eine hervorragende Leistung abrufen können, hatten in der einen oder anderen Situation auch das nötige Glück, doch das haben wir quasi erzwungen, da wir den Druck von Rapid sehr gut verteidigen konnten. Eines ist klar, wir haben einen guten Kader, ob wir sehr gut werden liegt nun einzig und allein an uns selbst.“

Nach den zuletzt gezeigten Leistungen kommt da die Winterpause vielleicht nicht sogar ein wenig ungelegen?

„Wir konnten natürlich zum Abschluss mit einer tollen Leistung einen souveränen Sieg einfahren, gewannen die letzten drei Heimspiele in Folge und sind richtig gut in Fahrt. So gesehen könnte man das durchaus sagen, doch die Wahrheit ist, dass die Winterpause für uns alle gelegen kommt. Das Jahr dauert schon sehr lange, die Pause im Sommer war auch recht kurz und nicht zu vergessen, wir hatten im Frühjahr eine extreme Challenge zu absolvieren, um den Klassenerhalt zu schaffen.

Es gibt ja jetzt auch nicht viel Zeit, um abzuschalten, doch wir müssen nach der Winterpause dort weitermachen, wo wir jetzt aufgehört haben. Da gilt es bestmöglich zu trainieren, die Mannschaft entsprechend vorzubereiten, ich habe zudem die Hoffnung, dass die Jungs, die wir im Sommer geholt haben, noch einen Schritt nach vorne machen, was wir als Mannschaft auch müssen, um dran zu bleiben. Denn jede Partie in der Bundesliga ist für uns Mattersburger eine große Challenge, gegen den WAC zuletzt war es einmal anders, aber normalerweise sind das enge Spiele, die uns immer alles abverlangen. Darauf müssen wir bestmöglich vorbereitet sein, um im Frühjahr dort anzusetzen, wo wir jetzt aufgehört hatten.“

In der Vorbereitung wird es wieder ordentlich zur sache gehen.

Es wurde gerade schon angesprochen, Anfang Jänner geht es wieder mit der Vorbereitung und nur knapp vier Wochen später mit der Meisterschaft los, ist die Erholungsphase zu kurz?

„Um den Kopf einmal so richtig frei zu bekommen und richtig abschalten zu können ist es schon sehr kurz. Doch es hilft ja nichts, es trifft ja nicht nur uns, sondern die gesamte Liga. Von da her erwarte ich mir von einem Profi-Spieler, dass er sich zu hundert Prozent darauf einstellen kann, dass es Anfang Jänner wieder mit dem Trainingsbetrieb los geht. Dann heißt es eben wieder bereit sein Höchstleitungen zu bringen, im Training eine 100%ige Einstellung an den Tag zu legen und alles dafür zu tun, um dem Team zu dienen, indem man am Matchtag alles abruft.“

Wie zufriedenstellend war die Entwicklung „neuen Mannschaft“ in den letzten Monaten?

„Man darf eines nicht vergessen, wir haben mit Thorsten Röcher, Patrick Farkas und David Atanga drei sehr gute Spieler im Sommer abgegeben, die in ihrer Karriere einen Sprung nach vorne gemacht haben. Alle drei haben unser Spiel im Frühjahr mitgeprägt. Wir wollten die Mannschaft auch noch im Sommer verjüngen, was uns mit den Neuzugängen geglückt ist.

Natürlich hat das seine Zeit gebraucht, man hat auch gesehen, dass Smail Prevljak, Andreas Gruber, Rene Renner aber auch Masaya Okugawa ein wenig gebraucht haben, um sich in die Mannschaft zu integrieren und das durch gute Leistungen dann auch bestätigen konnten. Florian Hart war da vom Start weg gleich super drin, ist dann aber leider ausgefallen.

Nun konnten wir den jungen Michael Lercher einbauen, der seine Sache gut gemacht hat und gleich gute Leistungen bringt. Er ist ja noch nicht so lange da und war auch immer wieder mit dem U21-Team unterwegs, hat so oft etliche Tage gefehlt. Integration ist eben enorm wichtig, man muss den Jungs auch Zeit geben und ich denke, dass sie im Frühjahr wieder einen Schritt nach vorne machen, wenn wir alle bereit sind, sehr gut in der Vorbereitung zu arbeiten.

Ein Schritt nach vorne heißt, sowohl punktemäßig als auch tabellarisch, aber auch von der spielerischen Leistung her. Ich denke, dass wir mit unserer Offensivreihe, wo ein Michael Perlak nach kurzen Anpassungsproblemen immer besser in Fahrt kam, flexibler geworden sind. Wir haben eben mehrere Möglichkeiten, müssen nur im Frühjahr zeigen, was wir drauf haben und am Matchtag den unbedingten Siegeswillen an den Tag legen, um die Spiele zu gewinnen.“

Im Herbst wurden bisher alle Cup-Hürden übersprungen, wartet im Viertelfinale das Heimspiel gegen den TSV Hartberg.

Neben der Meisterschaft ist der SVM auch noch in einem anderen Bewerb im Frühjahr vertreten. Im UNIQA-ÖFB-Cup wartet im Viertelfinale ein Heimspiel gegen den TSV Hartberg, was ist in diesem Pokalwettbewerb noch möglich?

„Im Cup ist natürlich alles drinnen, das ist auch eine sehr interessante zweite Sache neben der Meisterschaft für unseren Verein. Wir haben aber einen sehr unangenehmen Gegner, spielen zuhause, ist vielleicht kein Nachteil, aber nur dann, wenn wir an dem Tag alles hineinwerfen bzw. sehr motiviert auftreten. Gegen kampfstarke Hartberger müssen wir dagegenhalten und versuchen unser Spiel durchzubringen. Wir sind nun schon im Viertelfinale, müssen nur mehr maximal drei Spiele hinter uns bringen und hätten bei jeweils positivem Ausgang eine Riesenchance einen Titel zu holen. Es wäre schon eine echt geile Sache, wenn wir ins Finale kommen könnten und in diesem einen Spiel ist immer alles möglich.“

Zum Abschluss noch eine etwas persönlichere Frage, wie verbringt Gerald Baumgartner Weihnachten und besteht als Cheftrainer überhaupt die Möglichkeit, einmal so richtig abzuschalten?

„Ich habe heuer zum Glück die Möglichkeit vor Weihnachten ein paar Tage abschalten zu können. Dann ist ohnehin Weihnachten und da gibt es dann so oder so immer einen gewissen Stress mit Familie bzw. Geschenken. Wir sind nämlich eine große Familie, haben nicht nur einen Weihnachtsabend, sondern gleich mehrere, das teilt sich bei den verschiedensten Verwandten auf. Das ist aber auch das Schöne im Leben, wenn man die kleinen Kids in der Familie beschenken kann, wenn man sieht wie sie sich freuen, wenn das Christkind kommt.

Es bleibt aber auch nicht viel Zeit zum Entspannen, der Rechner im Kopf wird bei einem Trainer nie ganz ausgeschalten. Der rennt immer weiter, denn du möchtest ja deine Mannschaft stetig weiter verbessern. Ich bin auch einer, der sich immer selber weiterentwickeln will, der vor allem viel liest. Da geht es in verschiedene Richtungen, wo ich glaube, dass sie mich als Trainer und Person weiterbringen.

Somit gesehen bin ich selber froh, dass wir diese, wenn auch kurze, Pause haben. Ich werde ein paar Ski-Touren gehen und hoffe, dass es genug Schnee bei uns gibt und dann starten wir wieder mit vollem Elan ins Frühjahr. Auf das freue ich mich schon, denn nach ein, zwei Tagen beginnt das Kribbeln wieder, endlich mit der Mannschaft zu arbeiten.“


DANKE für das ausführliche Interview und ein schönes Weihnachtsfest im Kreise der Familie!

(21.12.2017)zurück >